Concepción
Die Gründung von Concepción erfolgte 1699 von in San Javier beheimateten Jesuiten als ein Missionsdorf zur Katholisierung der Guranai-Indianer. Aufgrund besonderer Vereinbarungen standen diese Dörfer unter dem Schutz der spanischen Krone. Eine Verschleppung oder Versklavung der Einwohner war nicht zugelassen. So entstanden bald Orte mit blühendem Leben und relativem Reichtum, die streng nach jesuitischen Grundsätzen lebten. So ein Dorf beherbergte 1500 bis 3000 Indianer. Von einem Teil dieses Reichtums wurden Kirchen gebaut.
Concepción
wurde 1709 in der Nähe des bisherigen Dorfes von Pater Lucas Caballero
neu gegründet. Pater Lucas wurde 1711 von Puyzoca-Indianern getötet.
1722 wurde das Dorf von Pater Juan de Benavente an seinen heutigen Platz
verlegt. Im Jahre 1745 hatte das Dorf 2002 Seelen aus folgenden Stämmen:
Punasicas, Boococas, Tubasicas, Paicones, Puyzocas, Quimonecas, Quitemos,
Napecas, Paunacas und Tapacuracas.
Um 1750 schrieb Pater Ignacio Chomé Grammatik
und Vokabular der Chiquita- und Zamucaindianer nieder.
Im Jahre 1766 bewohnten Concepción 713 Familien
mit 3276 Personen. Etwas problematisch war zu dieser Zeit das Sprachenwirrwarr
aus 8 verschiedenen Sprachen.
Nach dem Verbot des Jesuiten-Ordens durch Karl V. im
Jahre 1767 wurde die Führung des Dorfes am 13. Oktober 1767 durch
königliche Soldaten in weltliche Hände übergeben. Viele
Familien flohen und verschwanden in den Wäldern. Dies wirkte sich
nicht gerade zum Vorteil des Dorfes und seiner Bewohner aus. Die neuen
Verwalter bereicherten sich und die Produktion sank. Dazu kamen Hungersnöte
und Seuchen die die Bevölkerung weiter dezimierte.
Der nächste schwere Schlag war die "Befreiung" der
Indianer 1835. Die Indianer wurden damit der Ausbeutung schutzlos preisgegeben.
Weiße und Mischlinge durften nun in die Chiquitos einwandern und
Felder und Vieh in Besitz nehmen. Als um 1880 der Gummiboom ausbrach, wurden
viele der Bewohner in die Gummibaumplantagen verschleppt. Dies überlebte
ein Großteil von ihnen nicht.
Aufgegeben wurden die Orte aber trotzdem nicht. Die Kathedrale
und die Plaza mit ihrer direkten Umgebung sind bis heute erhalten, auch die
jesuitische Erziehung lebt bis heute fort. Man sieht dies an den hohen katholischen
Feiertagen, wenn die Bewohner aus der Umgebung in das Dorf zurückkehren,
denn die Kirchen sind immer noch ein Zentrum ihrer Kultur. Sie pflegen und schützen
"ihre" Kirche.
Die für die Gegend früher typischen einstöckigen Häuser mit Laubengängen sind im Zentrum immer noch ausschließlich vorhanden. Am Ortsrand zum See hin tauchen jetzt aber auch anders gestaltete Neubauten auf.
Die
Kathedrale von Concepción wurde zwischen 1753 und 1756 vom Schweizer
Jesuitenpater Martin Schmid gebaut. Davor hatte er bereits die Kirchen
von San Rafael und San Javier erbaut.
Concepción ist der Bischoffsitz der Region. Walter
Bösl, der verstorbene Bischof, war ein sehr aktiver bayrischer
Kirchenvertreter. Auch der vor kurzem verstorbene Hans Roth, Schweizer
Architekt und Restaurator, hatte hier seine Werkstatt. Sie waren aber nicht
die einzigen deutschsprachigen Bewohner, wie man am "Hotel Westfalen" erkennen
kann. Hotel ist dafür übrigens eine ziemlich Übertreibung,
aber sauber und billig ist es.
Der
für die einheimischen, vorwiegend aus Santa Cruz kommenden Touristen
wichtigste Platz in Concepción ist der Stausee. Hier kann man schwimmen
und alle Arten von Wassersport betreiben. Es ist ausreichend Platz für
Jet-Ski und Wasserski. Am Ufer findet man die eine oder andere sonnenbadende
Schöne, etwas was mir sonst nirgends in der Umgebung von Santa Cruz
aufgefallen ist. Das Ufer ist mit dem Auto zugänglich. An Pferden
und Kühen auf der "Liegewiese" darf man sich nicht stören. Hier
befindet man sich auf dem Land, also gehört das dazu. Der Strand ist
steinig, Badelatschen sind zu empfehlen, dem Europäer zusätzlich
Sonnenöl mit hohem Lichtschutzfaktor.
Auf der anderen Seite der Staumauer befindet sich übrigens
der Waschplatz des Dorfes. Dort wird die Wäsche im Auslauf des Sees
gewaschen.