Man hatte mir in Samaipata den Mund wässerig
gemacht, mit Worten wie klares Wasser, schwimmen, tolle Aussicht ...
Als ich das zum ersten mal von Las Cuevas hörte,
dachte ich eigentlich an Höhlen. Ich stellte mir etwas wie "Tres Ojos"
bei Santo Domingo (Dominikanische Republik) vor, also eine große
Höhle mit einem oder mehreren Seen darin.
Das
mußte ich einfach sehen! Schade nur, daß ich meine Badehose
in Santa Cruz gelassen hatte. Mir war ja auch bisher nicht bekannt, daß
es in der Gegend ein Naturschwimmbad gibt.
Also habe ich mir den Fotoapparat geschnappt und nach
einem Taxi gesucht. Den Fahrer fragte ich, ob er wisse, wo dieses "Las
Cuevas" ist. "Ja klar, das sind etwa 40 km zurück in Richtung Santa
Cruz".
Also einmal in halsbrecherischem Tempo die Serpentinen hinunter, Richtung Santa Cruz. Das Taxi hält auf der rechten Seite an einem eingezäunten Gelände, auf der anderen Seite der Straße sehe ich jetzt auch ein unscheinbarer Wegweiser für Touristen, den ich bisher übersehen hatte.
Der Fahrer erklärt mir, ich müsse dort Eintritt
bezahlen und er würde im Auto auf mich warten. Wenn das Tor verschlossen
sei, müsse ich halt klopfen oder rufen und warten bis jemand komme.
So war es dann auch. Nach einigen Minuten geduldigen
Wartens (hier hat man Zeit!!!), kam eine Frau von irgendwo aus der Nachbarschaft
und lies mich und einige andere, die in der Zwischenzeit mit dem Bus oder
zu Fuß gekommen waren, ein. Sie verlangte 5 Bs pro Person. Ich fiel
als einziger Tourist doch etwas auf. Weil ich mich suchend umschaute, erklärte
sie mir: Ich solle immer dem breiten Weg folgen, dann käme ich direkt
zum Wasser. Auf dem Weg dorthin kam ich an einem schönen, sehr gepflegten
Herrenhaus vorbei, bei dem gerade der Garten neu angelegt wurde. Kurz darauf
passierte ich ein Gebäude mit Toiletten, Umkleidekabienen und Duschen.
Ich staunte nicht schlecht, ein Service wie in Europa.
Nach 500 oder 800 Metern erreichte ich dann das Wasser,
aber nicht etwa wie erwartet eine Höhle, sondern ein Wasserfall mit
wunderschönem Becken zum Schwimmen, glasklar und etwa 25 Grad warm.
Jetzt ärgerte ich mich noch mehr über das fehlende Badedress.
Carlos, mein Wirt in Santa Cruz, hat mir später erklärt,
daß diese Becken auch "Cueva" heißen. Woher soll ich dummer
Tourist das wissen? Denn auch die beiden von mir zu Rate gezogenen Wörterbücher
lieferten nur Höhle als Übersetzung für cueva.
Das Wasser fällt über mehrere Stufen von einem
Becken ins nächste, sodaß sich die Leute auf die einzelnen Becken
verteilen.
Wenn man unter der Woche kommt, ist es schön ruhig. Es waren vielleicht 30 oder 40 Leute verteilt in der ganzen Anlage. Am Wochenende ist die Anlage recht voll, wie man mir berichtet hat und nicht zu vergessen die vielen Radios und Stereoanlagen die dann gegenseitig um die Wette brüllen.
Man sollte sich ein Handtuch und Sonnencreme mitbringen, den trotz schattiger Plätze hat man sich hier am Wasser doch schneller als gedacht einen herrlichen Sonnenbrand eingefangen. Sonnencreme und Mittel gegen Sonnenbrand gibt es, wenn überhaupt, im fernen Santa Cruz.
Hier habe ich auch zum ersten mal Leute beim Sonnenbaden
gesehen. Weder am See in Concepción noch in Palmira hatte ich das
bisher beobachtet.
Etwas
weiter oben hat der Besitzer einen kleinen Stausee angelegt, um damit ein
gerade im Bau befindliches, liegendes Wasserrad zu betreiben. Es dient
der Stromproduktion für das Herrenhaus, an dem man vorbeikommt.
Man erreicht dieses kleine Paradies von Sta. Cruz aus mit dem Bus (15 Bs) oder dem Linientaxi (25 Bs). Von Samaipata aus habe ich keine Preise. Ich kann eigentlich nur jedem empfehlen einmal hier vorbeizuschauen und vor allem die Badehose nicht zu vergessen.
Sehr schön ist ein Tagesausflug von Samaipata aus:
Zuerst ins Museum, dann zu "El Fuerte" und dann nach "Las Cuevas" um den
Staub abzuspülen. Für 80 Bs kann man sich ein Taxi mieten -warten
vor dem Tor des Badestrandes ist im Preis inbegriffen-.