Alle Beschreibungen beziehen sich auf die Stadt Santa Cruz, sind aber mit kleinen Abweichungen für alle anderen Städte auch gültig.
Eine neue Regelung besagt, dass Fahrzeuge des öffentlichen Personennahverkehrs mit grünen Streifen, bzw. Flächen deutlich zu kennzeichnen sind. Mache halten sich sogar daran.
Die Fahrpreise werden ausgehandelt. Dabei kann es schon mal
passieren, dass der Fahrer statt Boliviano (Boli) Dollar sagt. Wenn man das
akzeptiert, wird die Fahrt halt "etwas" teurer.
Taxifahrer
wird man, indem man sich einen Führerschein und ein Auto kauft. Montiert
man dann noch ein grünes Licht hinter die Windschutzscheibe, ist das
Taxi fertig. Wenn man Glück hat, kennt der Fahrer zufälligerweise
auch das gewünschte Ziel. Aber darauf sollte man sich besser nicht verlassen!
Ein Taxi ist meist ein Toyota Corolla, bei dem die Lenkung von
rechts nach links versetzt wurde. Das Armaturenbrett wurde dabei aber nicht
mit umgebaut. So ein Taxi hat dann min. 300 000 km auf dem Tacho ...
Ein Taxifahrer hat kein Wechselgeld! Die Wahrscheinlichkeit,
dass einer einen 50er wechseln kann ist gleich null, beim 20er und beim 10er
steigen die Chancen erheblich, es kann aber durchaus sein, dass der Fahrer
bei einem Fahrpreis von 8 Bs keinen 10er wechseln kann.
Das Taxi ist hier in Santa Cruz das Transportmittel schlechthin.
Neben Personen werden auch die eingekauften Waren transportiert, die Tüten
vom Markt, der Fernseher aus der Reparatur, der Baustahl vom Baumarkt, der
Handwerker mit seinem Werkzeug, eben alles was in irgendeiner Weise mit einem
PKW transportierbar ist. Taxifahrer sind in dieser Beziehung sehr einfallsreich.
Selbst ein kompletter Umzug ist mit einem Taxi kein unlösbares Problem.
Es gibt ja Kofferraum, Dachgepäckträger, Sitze und unter dem Auto
ist auch noch Platz!
Möchte man grössere Strecken (ab etwa 20 km)
mit dem Taxi fahren, verlangt der Fahrer oft einen Vorschuss, nicht weil er
dem Fahrgast nicht vertraut, sondern weil er erst mal Geld zum Tanken braucht.
In
Santa Cruz verkehren mehr als 100 Linien kreuz und quer durch die Stadt. Viele
im Ein- oder Zweiminutentakt. Sie fahren von etwa 5 Uhr morgens bis 22 Uhr.
Daneben gibt es auch noch Busse die zu den umliegenden grösseren Orten
fahren, so bis etwa 200 km Entfernung.
Gehalten wird, wenn jemand am Strassenrand die Hand hebt, oder
sich im Bus jemand meldet, dass er aussteigen will. Im Feierabendverkehr sind
die Busse oftmals brechend voll. Geldbeutel sind dann in höchster Gefahr!
Im Moment versucht die Stadtverwaltung von Santa Cruz, zur Verbesserung
der Verkehrssicherheit, Bushaltestellen einzuführen. Der Erfolg ist äusserst
mässig.
Der Fahrpreis (Stand Nov 2002) beträgt auf den Stadtlinien 1,50 Bs, Schüler 0,70 Bs, Studenten 0,80 Bs, Nachttarif 2 Bs. Kinder bis 7 Jahre zahlen nichts. Zahlen muss man unmittelbar nach dem Einsteigen beim Fahrer. Fahrkarten gibt es nicht. Wer umsteigt muss im neuen Bus neu bezahlen.
Die selben Busse fahren auch zu den Städten in der Umgebung (bis etwa 200 km), wie z.B. nach Samaipata. Die 20 km nach La Guardia kosten z. B. Bs. 3,50. Längere Strecken entsprechend mehr. Aber im Vergleich zu Auto oder Taxi konkurenzlos billig.
Bis zum Herbst 2000 fuhren diese Busse ohne Türen. Nachdem
aber mehrere schwere Unfälle durch aus überfüllten Bussen stürzende
Fahrgäste passierten, wurden Türen vorgeschrieben, die während
der Fahrt geschlossen sein müssen. Zuerst hielt sich wie üblich
praktisch keiner an die Regelung. Erst als die Polizei anfing, Fahrzeuge ohne
Türen zu beschlagnahmen änderte sich das innerhalb weniger Tage.
Den Eigentümern war klar, dass bis sie die beschlagnahmten Busse zurückerhielten,
die eine oder andere Kleinigkeit abhanden gekommen war, vielleicht der Motor
oder so.
Seit Anfang Juni 2002
läuft ein Versuch mit etwa 10 Bussen, bei denen eine automatische Geschwindigkeitsbegrenzung
(wie in Argentinien) auf 40 km/h eingebaut ist. Damit soll die Zahl der Unfälle
weiter begrenzt werden
Falls der Fahrer einen Schwager hat, der Verkäufer ist
(haben fast alle), kommt man in den Genuss einer kostenlosen Werbe- oder Verkaufsveranstalltung,
Flucht ist nicht möglich.
Die Busse halten unterwegs auf kleinen Rasthöfen, wo man
problemlos Speisen und Getränke kaufen kann, Kleingeld vorausgesetzt.
Die Preise sind sehr günstig. Für die 10 Stunden
Fahrt nach Trinidad habe ich 25 Bs bezahlt, also ungefähr € 4.
Dazu kommen dann aber noch 2 oder 3 Bs Bahnsteigbenutzungsgebühr (nur)
auf dem Abfahrtsterminal.
| Pullman | Luxusklasse (ziemlich heruntergekommen), keine Klimaanlage aber auch für den Europäer ausreichen Platz für die Füsse, keine Stehplätze! |
| erste Klasse | enge recht überfüllte Wagen, meist nicht allzuviel Gepäck |
| zweite Klasse | etwas für echte Individualisten! Ein Leben zwischen Reisenden, Gepäck, Hühnern und Enten |
| Luxuswagen | an manchen Tagen verkehrt im Zug ein zusätzlicher Luxuswagen einer anderen Firma mit Klimaanlage, Video etc. |
| Ferrobus |
Das ist der Luxuszug, nur 2 Wagen, Klimaanlage und einiges mehr. |
| Klasse | Preisbeispiel Sta. Cruz - Roboré einfache Fahrt, 370 km, 11 Stunden
Fahrzeit. In Sta. Cruz fällt eine zusätzliche Bahnsteiggebühr von 3 Bs. an. Für die Anfahrt mit Taxi oder Auto direkt an das Bahnhofsgebäude ist eine Maut von 1 Bs. fällig. |
| Zweite Klasse | 23 Bs |
| Erste Klasse | 31 Bs |
| Pullman | 70 Bs |
| Ferrobus 2. | 220 Bs |
| Ferrobus 1. | ?? |
Die Züge sind oft total überfüllt. Fahrkarten gibt es nur für den selben Tag (außer in Santa Cruz). Also Morgens bei Schalteröffnung anstellen und insbesondere Montags darauf hoffen, dass noch ein Platz frei ist. Ansonsten fährt Morgen wieder ein Zug.
Die Versorgung mit Speisen und Getränken am Bahnhof und im Zug erfolgt durch ganze Heerscharen von fliegenden Händlern. Die in der Regel bis zur nächsten Station mitfahren. Dann kommen neue Händler.
Seit dem 27. Juni 2002 bietet die Eisenbahn auf den Strecken nach Quijarro und Yacuiba einen Superpullmanwagen an. Zum Preis von Bs. 150 fährt man nach Quijarro mit Klimaanlage, Fernsehen, Verpflegung, Zeitungen etc. In Zusammenarbeit mit der Firma Danny Blanc wird auf den selben Routen ein Speisewagen angeboten.
In den nächsten Monaten sollen Touristenzüge angeboten werden, z.B zu den Jesuitenmissionen, nach Roboré und in den Pantanal. Näheres werde ich bei meinem nächsten Besuch Ende Jahr in Erfahrung bringen.
| Achtung: | Zum Erwerb einer Fahrkarte muß der Reisepass vorgelegt
werden. Pro Person werden nur 2 Fahrkarten abgegeben. Name und Nummer des Ausweispapieres werden in die Fahrkarte eingetragen. |
| In den Zügen finden des öfteren Pass- oder Gepäckkontrollen
statt.
Nachts wird das Licht nicht, oder nur bei Aufenthalt auf sehr grossen Bahnhöfen eingeschaltet. Daher Taschenlampe nicht vergessen. |
Kinder, wenn sie keinen eigenen Sitzplatz beanspruchen, kosten
nichts.
Stand 14.05.2003